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Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Othfresen/Heißum

Der Architekt der Erlöserkirche

Eberhard Julius Eduard Wendebourg wurde am 23. September 1857 in Lewe (Liebenburg, Kreis Goslar) als drittes von neun Kindern des Pfarrers Hermann Wendebourg und dessen Ehefrau Auguste, geb. Boes, geboren.
Sein Vater, der als Verfasser des „Hannoverschen Gesangbuches“ in die Heimatgeschichte eingegangen ist, entstammte einer alten hannoverschen Pastorenfamilie. Mutter Auguste war in direkter Linie eine Nichte des Dichters Hoffmann von Fallersleben.

Nach der Grundschulausbildung im väterlichen Hause von 1864 – 1872 wechselte Eduard Wendebourg auf das Gymnasium in Wolfenbüttel über. Doch schon bald verließ ihn die Motivation und er brach die Schule ab.„Die geringe Freude an alten Sprachen, leider wohl mit veranlasst durch nicht genügenden Fleiß, erweckte in mir den Wunsch, das Gymnasium zu verlassen. Mein Vater gab mir nur schwer die Einwilligung dazu“ schrieb Eduard, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Kaufmann zu werden.

In dieser Situation zeigte sich das meisterliche Erziehungstalent des Vaters, indem er den Sohn zum Kaufmann Zwintscher in Gotha in die Lehre gab. Zunächst ist Eduard mit Feuereifer bei der Sache, aber als der Winter anbricht, bekommt er Heimweh und leidet unter der Kälte, da die Lehrlinge zu damaliger Zeit doch recht primitiv untergebracht waren.So endete seine kaufmännische Laufbahn, nach so manchem Hin und Her mit dem Vater, reumütig, nach nur einem viertel Jahr.

An der königlich reorganisierten Gewerbeschule, der späteren Oberrealschule in Hildesheim, setzte er von Ostern 1874 bis Michaelis 1875 sein Schulstudium mit dem Abschluss des Maturum fort.Ein Architekturstudium an der königlichen technischen Hochschule zu Hannover von Mai 1875 bis Juli 1879 schloss sich an. Hier hörte er mit Begeisterung die Vorlesungen des Altmeisters der Baukunst im Lande Hannover, dem Professor Conrad Wilhelm Hase, seinem Patenonkel und Freund.
Als Schüler und Student von Hase zwar geprägt, entwickelt Eduard Wendebourg aber im Laufe der Zeit seinen eigenen persönlichen Baustil.Ende 1879 legte er sein Diplom ab. In den Folgejahren 1880/81 leistete er seine Militärpflicht in Göttingen und studierte gleichzeitig an der Hochschule in Hannover weiter.

Von 1881 bis 1887 war er dann als Bauführer tätig, um seine praktischen Kenntnisse zu erweitern.So leitete er die Kirchneubauten in Hanstedt bei Pattensen sowie in Schöfeld, Provinz Sachsen.Beim Wiederaufbau der durch Brand zerstörten Kirche in Neuenkirchen (Kreis Melle), den er von 1885 bis 1887 leitete, lernte er seine zukünftige Ehefrau kennen.

Im Jahre 1888 ließ sich Eduard Wendebourg als selbständiger Architekt in Hannover nieder.Als sich herausstellte, dass der Beruf eine Familie ernähren konnte, heiratete er 1890 in Neuenkirchen. Aus dieser Ehe entsprossen sechs Kinder, drei Töchter und drei Söhne.

Im Laufe seiner langen Architektenlaufbahn, Wendebourg arbeitete bis zu seinem 82. Lebensjahr, hat er mehr als 200 Projekte durchgeführt: Neubauten, Erweiterungen, Umbauten, Restaurierungen, Renovierungen und Gutachten.

Der überwiegende Teil seiner Bautätigkeit fällt in den Bereich des Sakralbaus. Aber auch einige Schulbauten waren unter seinen Aufträgen.
Unter den Kirchenbauten finden sich nur wenige, die im neuromanischen Stil gestaltet wurden (u.a. Kirchenschiff Groß Mahner, 1893 / Kirchenschiff Hannover – Bothfeld, 1910).

Der überwiegende Teil wurde im Stil der Neugotik errichtet.
Zu den namhaftesten Gebäuden zählen:

Kirche Gnarrenburg-Kuhstedt, 1892-93
Kirche Othfresen, 1893-95
Kirche Warstade bei Bremerförde, 1897
Kirche Hannover-List, 1904
Kirche Hannover – Wülfel, 1909-11
Lutherkirche Soltau 1911-12.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges, nachdem er sein Haus in Hannover verkauft hatte, entschloss sich Eduard Wendebourg, mit seiner Frau nach Bückeburg zu ziehen. Hier feierten sie noch im März 1940 das Fest der Goldenen Hochzeit, aber bald nahmen seine Kräfte zusehends ab. So durfte er am 22. Oktober 1940, vier Wochen nach seinem 83. Geburtstag, nach einem schaffensreichen und erfüllten Leben sanft einschlafen.